HEV Jahresbericht 2025
JAHRESBERICHT 20 25 Abschaffung EMW
Analyse: historischer Entscheid von Volk und Ständen
Eigentum bleibt politisch umkämpft Nicht überall wurde der Abstimmungserfolg positiv aufge nommen. In Teilen der Medien wurde dem HEV gar eine Iden titätskrise attestiert. Ohne Eigenmietwert verliere der Verband seinen Hauptzweck, hiess es. Diese Einschätzung greift jedoch zu kurz. Der HEV ent stand lange bevor die Eigenmietwertbesteuerung überhaupt existierte. Bereits im jungen Bundesstaat schlossen sich Haus- und Grundeigentümer zusammen, um offene miet- und eigentumsrechtliche Fragen zu klären und ihr Eigentum zu schützen. Themen wie Verkehrslärm, städtebauliche Ent wicklungen oder regulatorische Eingriffe beschäftigten Eigen tümer schon damals – und tun es bis heute. Auch gegenwärtig ist das Eigentumsrecht keineswegs selbstverständlich. Zunehmende staatliche Eingriffe, ver schärfte Bauvorschriften, komplizierte Bewilligungsverfahren und immer neue Auflagen verteuern Wohneigentum und be hindern die Bautätigkeit insgesamt. Programme, mit denen Städte und Gemeinden Liegenschaften aufkaufen, lösen das Problem nicht, sondern verschärfen es teilweise durch Markt verzerrungen. Der Abstimmungserfolg kann deshalb nicht als Endpunkt verstanden werden. Vielmehr dient er als Ausgangspunkt für neue politische Auseinandersetzungen um Eigentum, Wohn raum und Marktordnung. Die Arbeit geht weiter Die Abstimmung vom Herbst 2025 hat gezeigt: Reformen sind möglich, wenn sie nachvollziehbar begründet sind und konkrete Vorteile bringen. Die Abschaffung des Eigenmiet werts war ein historischer Schritt. Die politische Debatte um Eigentum und Wohnraum wird jedoch weitergehen. Für den HEV hat deshalb bereits die nächste Phase begonnen. Die Or ganisation bleibt gefordert, sich weiterhin gegen eine schlei chende Aushöhlung der Eigentumsgarantie zu wehren und den Zugang zu Wohneigentum zu verbessern. Der nationale Vorstand erarbeitet derzeit seine Vision und Strategie für die kommenden Jahre. Sicher ist, dass Wohneigentum als tra gende Säule von Vorsorge, Generationengerechtigkeit, und wirtschaftlicher Stabilität auch in Zukunft eine starke Vertre tung auf allen Staatsebenen benötigt.
Am 28. September 2025 haben Volk und Stände einen steuer politischen Meilenstein gesetzt: Mit 57,7% Ja-Stimmen be schlossen die Stimmbürger die Abschaffung des Eigenmiet werts. Dass in der Schweiz eine Steuer aufgehoben wird, ist aussergewöhnlich. Umso bemerkenswerter ist die breite Zustimmung zu dieser Vorlage. Für den Hauseigentümerver band Schweiz (HEV) markiert dieser Entscheid einen langjäh rigen politischen Einsatz, der nun erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Zugleich eröffnet der Entscheid neue politi sche und strategische Herausforderungen. Ein föderaler Kompromiss trägt Früchte Dem Abstimmungserfolg ging ein intensiver parlamentari scher Prozess voraus. National- und Ständerat schnürten schliesslich ein Paket aus zwei miteinander verbundenen Vor lagen: dem Bundesgesetz zum Systemwechsel sowie einem Bundesbeschluss, der es den Kantonen erlaubt, eine Objekt steuer auf Zweitliegenschaften einzuführen. Zur Abstimmung gelangte lediglich der zweite Teil. Trotz komplexer Materie erwies sich die Vorlage als mehr heitsfähig. Der Abstimmungskampf war anspruchsvoll und von vielen Diskussionen geprägt. Das Resultat zeigt allerdings, dass die Bevölkerung die Zusammenhänge verstand und den föderalen Kompromiss unterstützte. Besonders deutlich fiel das Resultat in Berg- und Tourismuskantonen aus, wo die Zustimmung vielfach zwischen 65% und 68% lag. Auch tradi tionell eher skeptische Regionen wie Teile des Kantons Bern oder das Oberwallis unterstützten die Vorlage. Demgegenüber lehnten Basel-Stadt sowie mehrere West schweizer Kantone die Vorlage ab. In der Suisse Romande spielte unter anderem die Befürchtung eine Rolle, die öf fentliche Hand müsse erhebliche Steuerausfälle hinnehmen. Gleichzeitig wurde vielerorts unterschätzt, dass die Eigen mietwerte mittelfristig ohnehin hätten angepasst werden müssen. Auch der Versuch linker Parteien, Mieter und Eigentü mer gegeneinander auszuspielen, zeigte in urbanen Regionen teilweise Wirkung, blieb gesamtschweizerisch jedoch erfolg los. Selbst im Kanton Zürich, wo rund 70% der Bevölkerung zur Miete wohnen, stimmten über 61 % der Vorlage zu. Für den HEV stellt sich dennoch die strategische Frage, wie die Ausgangslage in der Westschweiz künftig verbessert wer den kann. Abstimmungen lassen sich in der Regel nur gewin nen, wenn man in allen Landesteilen überzeugen kann.
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